CO₂-Pipeline Delta Rhine Corridor

NRW setzt in seiner bisherigen Carbon Management Strategie auf diese umstrittene Technologie. Zwar soll CCS vermeintlich unvermeidbaren Prozessemissionen z.B. in der Zement- und Kalkindustrie vorbehalten bleiben, dennoch sieht der BUND darin eine falsche Weichenstellung. Anstatt Milliarden von Euro in diese technologische Scheinlösung zu stecken, müssen die natürlichen CO2-Senken wie Wälder und Moore optimiert werden.

Durch Nordrhein-Westfalen soll ein Leitungsnetz für Kohlendioxid (CO₂) gebaut werden. Für zwei Leitungen beginnt derzeit die Raumverträglichkeitsprüfung. Die jeweils zuständigen Regionalplanungsbehörden sind für den 1. Abschnitt Gelsenkirchen – Duisburg der Regionalverband Ruhr, für den 2. Abschnitt Krefeld – Venlo der Regionalverband Ruhr und die Bezirksregierung Düsseldorf und für den 3. Abschnitt Wesseling – Ratingen die Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf regional zuständig.
In diesen Verfahren prüfen die Behörden, welcher Korridor mit Siedlungen, Natur und anderen Planungen vereinbar ist. Der BUND NRW lehnt diese Leitungen ab und fordert die Landesregierung auf, ihre Unterstützung für die Planungen zurückzuziehen. Statt CO₂ zu transportieren und zu deponieren, müssen Emissionen vermieden werden: mit einem verbindlichen Ausstiegsplan aus Kohle, Öl und Gas, einer echten Kreislaufwirtschaft und dem Schutz von Mooren und Wäldern.

CO₂-Pipeline Delta Rhine Corridor in die Niederlande

Der sogenannte „Delta Rhine Corridor“ (DRC) soll von Gelsenkirchen-Scholven im Ruhrgebiet und von Wesseling im Kölner Süden quer durch quer durch NRW bis an die niederländische Grenze bei Nettetal und Brüggen führen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf sind u.a. Oberhausen, Duisburg und der Kreis Mettmann betroffen, im Bereich des Regionalverbandes Ruhr (RVR) u.a. Krefeld und der Kreis Wesel. Durch die Niederlande soll das CO₂ zu Deponien unter der Nordsee geleitet werden. Rund 200 Kilometer Leitung plant der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe GmbH (OGE) dafür neu, ausgelegt ist sie für 10 bis 20 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr. Sie gehört zu einem bundesweiten CO₂-Netz, das nach Abschluss aller Ausbaustufen rund 120 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr transportieren können soll.

Welche Unternehmen angeschlossen werden sollen, legt OGE nicht offen. Als Herkunft des CO₂ nennt das Unternehmen vor allem Chemie, Zement, Kalk und Abfallverwertung. 
Auch der genaue Verlauf der Trasse steht noch nicht fest. Untersucht werden 600 Meter breite Korridore mit mehreren Varianten, OGE bevorzugt einen davon - den für sie günstigsten. Ab 2031 plant OGE mit dem Baubeginn, im Dezember 2033 soll die Leitung in Betrieb gehen.

Eingriffe in die Natur, Risiken für Anwohnende

Schon der Bau der Pipelines würde massiv auch in jene Gebiete eingreifen, die heute Kohlenstoff speichern. Die untersuchten Korridore führen durch Wälder, Feuchtgebiete und europäische Schutzgebiete (Natura 2000). Folgt die Leitung dem bevorzugten Korridor, verliefe sie auf rund 23 Kilometern durch Wald. An den Krickenbecker Seen im Kreis Viersen quert der bevorzugte Korridor auf rund 870 Metern ein Vogelschutzgebiet, ein nach europäischem Recht geschütztes FFH-Gebiet und ein Naturschutzgebiet. OGE will dort unterirdisch bohren. Welche Folgen das für Seen und Grundwasser hat, soll erst im späteren Genehmigungsverfahren geprüft werden.

Offen ist zudem, wie die Bevölkerung bei einem Unfall geschützt wird. CO2 ist schwerer als Luft, sammelt sich in Mulden und wirkt in hoher Konzentration erstickend.  Gebäude sind nur im 10 Meter breiten Schutzstreifen über der Leitung verboten. Einen Sicherheitsabstand zu Wohnhäusern darüber hinaus sehen die vorgelegten Unterlagen hingegen nicht vor.  Eine Berechnung, wie sich das Gas bei einem Bruch der geplanten Leitungen ausbreiten würde, fehlt in den Unterlagen beider Raumverträglichkeitsprüfungen. OGE verweist auf technische Regelwerke und spätere Prüfungen. OGE hält einen Sicherheitsabstand zu Wohngebäuden für nicht erforderlich, weil die Leitung keine Störfallanlage sei, und schließt Gesundheitsrisiken im Betrieb aus. Wir halten das für fahrlässig. Ohne Ausbreitungsberechnung weiß niemand, wie groß ein sicherer Abstand sein müsste. Nach Recherchen von WDR und CORRECTIV bestehen erhebliche Risiken bei diesem größten deutschen CCS-Vorzeigeprojekt: Es könnten gefährliche Gase aus der zukünftigen Pipeline entweichen.
 


Mehr Informationen:

https://www.bund-nrw.de/klima-energie/ccs-stoppen/vorhaben-in-nrw/

Duisburg:

Krefeld: https://www.bund-krefeld.de/service/meldungen/detail/news/einwendung-gegen-co2-pipeline/

Kreis Mettmann: https://www.bund-kreis-mettmann.de/kreisgruppe/co2-pipeline/#c46025

Kreis Wesel: 

Oberhausen: www.bund-kreisgruppe-oberhausen.de


 

CCS stoppen: Raus aus Kohle, Öl und Gas

Die Klimakrise spitzt sich zu – doch statt konsequent aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen, setzen Industrie und Politik auf eine riskante Technologie: Carbon Capture and Storage (CCS). Dabei wird CO2 an Industrieanlagen abgeschieden und unterirdisch verpresst. Was als Klimaschutz verkauft wird, ist ein gefährliches Ablenkungsmanöver. Diese Broschüre zeigt, warum CCS keine Lösung ist. Sie informiert über die technischen, ökologischen und gesellschaftlichen Gefahren und beleuchtet, wer am Ausbau der CO2-Infrastruktur interessiert ist. 

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